Die ersten Diamantenfunde lösten einen Ansturm aus, der Südafrikas Wirtschaft - und Geschichte - nachhaltig ändern sollte. (Rekonstruktion)

Diamantenfelder Übersicht zu Minen und Fundorten (Rekonstruktion, ohne Gewähr auf Vollständigkeit oder korrekte Darstellung)

Steckbrief Südafrikas Diamanten
Vom ersten Fund bis ins 21.Jahrhundert

Erster Diamantenfund: 1867 bei Hopetown am Oranje
Kimberlit: Diamantführendes vulkanisches Gestein, nach Kimberley benannt; Grundlage des industriellen Tiefbergbaus.
Kimberley-Minen: Kimberley Mine · De Beers · Bultfontein · Dutoitspan · Wesselton
Big Hole: Entsteht aus dem vollständig abgetragenen Colesberg Kopje und der anschließend immer tieferen Kimberley Mine.

1869: Ein außergewöhnlicher Fund von 83,5 Karat bestätigt den Diamantenreichtum des südafrikanischen Binnenlandes.

1870: Entlang des Vaal entstehen große Diamantenfelder; der erste südafrikanische Diamantenrausch beginnt.

1871: Diamanten werden am Colesberg Kopje auf der Farm Vooruitzicht gefunden – Beginn des New Rush.

1871: Großbritannien annektiert das umstrittene Diamantengebiet als Griqualand West.

1873: Die rasch entstandene Siedlung New Rush erhält den Namen Kimberley.

1880: Griqualand West wird in die britische Kapkolonie eingegliedert.

1888: Zusammenschluss wichtiger Kimberley-Minen zur De Beers Consolidated Mines Limited.

1890er Jahre: Der kleinteilige Claim-Bergbau ist weitgehend durch kapitalintensive industrielle Minengesellschaften ersetzt.

1902: Entdeckung der Premier Mine bei Pretoria, eines der bedeutendsten Diamantenvorkommen Südafrikas.

1905: Dort wird mit 3.106 Karat der größte jemals gefundene Rohdiamant in Edelsteinqualität entdeckt.

1914: Der Abbau in der Kimberley Mine am Big Hole endet.

1920er Jahre: Neue Diamantenvorkommen werden im Namaqualand und an der südafrikanischen Atlantikküste erschlossen.

20. Jahrhundert: Förderung verlagert sich zunehmend von Kimberley zu neuen Kimberlit-, Fluss- und Küstenlagerstätten.

1992: Die Venetia Mine in Limpopo nimmt die Förderung auf und wird Südafrikas wichtigste Diamantenmine.

Heute: Diamanten werden weiterhin aus Kimberlitlagerstätten sowie Fluss- und Küstenablagerungen gewonnen.

Heutige Abbaugebiete: Limpopo · Northern Cape · unterer Oranje · Atlantikküste

Kimberley heute: Historisches Zentrum der südafrikanischen Diamantenindustrie; das Big Hole erinnert an den frühen Bergbauboom.

Bedeutung: Die Diamantenfunde leiteten Südafrikas Mineral Revolution ein und beschleunigten Industrialisierung, Eisenbahnbau und Urbanisierung.

Langzeitwirkung: Bergbaukapital, Technik und Arbeitsorganisation Kimberleys bildeten Grundlagen für den späteren Goldbergbau am Witwatersrand.

Menschen
Top Ten der bekanntesten Protagonisten

Erasmus Jacobs 851–1928
Fand 1867 den Eureka und steht am Beginn der südafrikanischen Diamantengeschichte.

Schalk van Niekerk 1833–1891
Erkannte frühe Funde; der Star of South Africa verstärkte 1869 den Diamantenrausch.

Esau Damoense ca. 1836–1940
Wird mit dem entscheidenden Fund 1871 am Colesberg Kopje, dem späteren Big Hole, verbunden.

Johannes Nicolaas de Beer 1830–1883
Auf seiner Farm Vooruitzicht entstanden wichtige Kimberley-Minen; sein Name lebt in De Beers fort.

Cecil John Rhodes 1853–1902
Konsolidierte Kimberleys Minen und gründete 1888 den später weltweit dominierenden De-Beers-Konzern.

Barney Barnato 1851–1897
Rhodes’ mächtigster Kimberley-Konkurrent; machte aus Claims ein industrielles Bergbauunternehmen.

Alfred Beit 1853–1906
Finanzierte und organisierte die Konzentration des Diamantenbergbaus und unterstützte Rhodes’ De-Beers-Aufstieg.

Gardner F. Williams 1842–1922
Verwandelte den improvisierten Kimberley-Abbau technisch in modernen industriellen Tiefbergbau.

Thomas Cullinan 1862–1936
Erschloss die Premier Mine, Fundort des größten Rohdiamanten in Edelsteinqualität.

Ernest Oppenheimer 1880–1957
Übernahm De Beers und prägte die internationale Diamantenindustrie des 20. Jahrhunderts entscheidend.

Weltgeschehen
Was passiert inzwischen woanders

1865 – Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs
Nach vier Jahren endet der Bürgerkrieg; Präsident Abraham Lincoln wird wenige Tage später ermordet.

1866 – Telegraphie über den Atlantik
Ein dauerhaft funktionierendes Transatlantikkabel verbindet Europa und Nordamerika nahezu in Echtzeit.

1866 – Preußen besiegt Österreich
Der Deutsche Krieg entscheidet den Machtkampf in Mitteleuropa zugunsten Preußens; der Deutsche Bund zerfällt.

1867 – Dynamit
Alfred Nobel patentiert Dynamit und verändert Bergbau, Tunnelbau und Sprengtechnik grundlegend.

1867 – „Das Kapital“
Karl Marx veröffentlicht in Hamburg den ersten Band seines Hauptwerks Das Kapital.

1869 – Der Suezkanal wird eröffnet
Mittelmeer und Rotes Meer werden verbunden; der Seeweg zwischen Europa und Asien verkürzt sich erheblich.

1869 – Eisenbahn quer durch die USA
Die erste transkontinentale Eisenbahn verbindet die amerikanische Ost-West-Verbindung auf dem Landweg.

1869 – Das Periodensystem
Dmitri Mendelejew ordnet die chemischen Elemente und lässt sogar Plätze für noch unbekannte Elemente frei.

1870 – Die Schreibmaschine wird marktfähig
Erste kommerziell vertriebene Schreibmaschinen kündigen eine grundlegende Veränderung von Büro und Verwaltung an.

1870/71 – Deutsch-Französischer Krieg
Frankreich unterliegt den deutschen Staaten; Napoleon III. wird bei Sedan gefangen genommen.

1872 – Yellowstone wird Nationalpark
In den USA entsteht Yellowstone – weithin als erster Nationalpark der Welt bezeichnet.

1873 – Blue Jeans
Levi Strauss und Jacob Davis lassen mit Nieten verstärkte Arbeitshosen patentieren – ursprünglich robuste Arbeitskleidung.

1873 – Stacheldraht verändert das Land
Neue Stacheldrahtkonstruktionen ermöglichen die kostengünstige Einzäunung riesiger Flächen, besonders in Nordamerika.

1873 – Beginn einer langen Wirtschaftskrise
Der Wiener Börsenkrach leitet eine internationale wirtschaftliche Depression ein.

1876 – Das Telefon
Alexander Graham Bell erhält sein berühmtes Telefonpatent; die menschliche Stimme kann elektrisch übertragen werden.

1876 – Der Viertaktmotor
Nikolaus August Otto entwickelt einen praktisch einsetzbaren Viertakt-Gasmotor – Grundlage späterer Verbrennungsmotoren.

1877 – Der Phonograph
Thomas Edison gelingt die Aufnahme und Wiedergabe menschlicher Sprache. Zum ersten Mal lässt sich Schall konservieren.

1877 – Bewegungsstudien werden zu Vorläufern des Films
Eadweard Muybridge fotografiert Bewegungsabläufe in Bildserien und schafft wichtige Grundlagen der späteren Kinematografie.

1879 – Elektrisches Licht wird alltagstauglich
Joseph Swan und Thomas Edison entwickeln unabhängig voneinander praktisch verwendbare Glühlampensysteme.

Als 1867 auf der Farm De Kalk nahe Hopetown am Oranje ein unscheinbarer Stein gefunden wurde, deutete zunächst wenig darauf hin, dass damit eine Entwicklung begonnen hatte, die Südafrika innerhalb weniger Jahrzehnte wirtschaftlich und politisch verändern sollte. Der fünfzehnjährige Erasmus Jacobs hatte den später Eureka genannten Diamanten von 21,25 Karat entdeckt, dem 1869 mit dem Star of South Africa ein wesentlich größerer Fund folgte. Die Nachricht, dass im südafrikanischen Binnenland Diamanten zu finden waren, verbreitete sich rasch. Entlang des Oranje und vor allem des Vaal entstanden erste Grabungsplätze, an denen Glücksritter, Händler und Spekulanten aus der Kapkolonie, den Burenrepubliken, Europa, Australien und Amerika zusammentrafen. Afrikanische Arbeiter kamen aus den umliegenden Gebieten hinzu. Noch konzentrierte sich die Suche auf das Geröll der Flüsse, wo die Diamanten über lange Zeiträume aus ihrem Muttergestein herausgelöst und abgelagert worden waren.

Die eigentliche Veränderung begann 1871 weiter im Landesinneren. Auf der Farm Vooruitzicht der Brüder Johannes Nicolaas und Diederik Arnoldus de Beer wurden am Colesberg Kopje Diamanten nicht mehr nur in Flussablagerungen, sondern unmittelbar im vulkanischen Gestein gefunden. Später erhielt dieses Gestein nach dem Fundort den Namen Kimberlit. Für die Besitzer der Farm erwies sich der vermeintliche Reichtum zunächst allerdings weniger als Glücksfall. Gegen Tausende Diamantensucher, die innerhalb kürzester Zeit auf ihr Land drängten und Claims absteckten, konnten sie wenig ausrichten. Die Brüder verkauften die Farm; ihr Name blieb und wurde einige Jahre später zum Namen eines Unternehmens, mit dessen späterem Aufstieg sie selbst nichts mehr zu tun hatten.

Der neue Fundplatz wurde zunächst schlicht New Rush genannt. Innerhalb weniger Monate entstand in der trockenen Landschaft eine Siedlung aus Zelten, Wellblechhütten, Läden, Werkstätten, Hotels und Kneipen. Diamantenhändler eröffneten ihre Kontore, Banken folgten dem Geld, Fuhrleute brachten Lebensmittel, Holz und Maschinen aus weit entfernten Regionen heran. Aus einer Gegend, die wirtschaftlich bis dahin vor allem von Viehzucht und Landwirtschaft geprägt gewesen war, wurde eines der geschäftigsten Zentren des südlichen Afrika. 1873 erhielt der Ort den Namen Kimberley, nach John Wodehouse, Earl of Kimberley und britischem Kolonialminister.

In Kimberley gruben Tausende Glückssucher im Big Hole nach Diamanten und verwandelten eine staubige Siedlung in eine Boomtown. (Rekonstruktion)

Mit dem wachsenden Wert der Diamanten wurde auch die politische Zugehörigkeit des Gebietes wichtig. Um die Region bestanden konkurrierende Ansprüche des Oranje-Freistaates, der Griqua unter Nicolaas Waterboer und weiterer Parteien. Großbritannien annektierte das Diamantengebiet 1871 als Griqualand West und gliederte es 1880 der Kapkolonie an. Der wirtschaftliche Wert des Bodens hatte damit aus einer bis dahin eher peripheren Grenzregion einen Gegenstand kolonialer Machtpolitik gemacht.

Während über der Erde eine Stadt entstand, verschwand unter ihr das Colesberg Kopje. Die einzelnen Claims waren zunächst kleine, genau vermessene Flächen, auf denen jeder Besitzer für eigene Rechnung grub. Zwischen ihnen blieben schmale Wege und Erdwände stehen; Seile, Winden und Förderkörbe überspannten bald die gesamte Grube. Mit jedem Meter Tiefe wurde dieses System schwieriger aufrechtzuerhalten. Wände brachen ein, Wasser drang in die Schächte, das Gestein musste aus immer größeren Tiefen gefördert werden. Was mit Schaufel, Hacke und einigen Arbeitern begonnen hatte, verlangte zunehmend nach Pumpen, Maschinen, technischem Wissen und vor allem nach Kapital.

Hüttenansammlung, Kimberley Mining Museum
Das Leben der Arbeiter verlief in der trockenen Gegend meist hart und einfach.
Winner, Kimberley Mining Museum
Während der Reichtum auf den Diamantenfeldern für viele nur wenig mehr als Überleben bedeutete, so brachte die Ausbeute manchen anderen wieder bescheidenen Reichtum oder ungeheuren Luxus.
Kimberley Mining Museum
Die Briten hielten von Anfang an mehrheitlich die Hoheit über Schürfrechte und Einkommen in ihren Händen.
Kimberley Mining Museum
Das harte Leben in den Minen und das mühsam erarbeitete Geld wurde häufig in den Kneipen und Bars wieder ausgegeben.
Das spätere Big Hole war deshalb nicht nur Ergebnis des Diamantenrausches, sondern zugleich dessen Ende in seiner ursprünglichen Form. Der einzelne Glücksritter, der einen Claim absteckte und auf den großen Fund hoffte, konnte mit der Industrialisierung des Abbaus kaum noch Schritt halten. Kleinere Besitzer verkauften, Claims wurden zusammengelegt und Gesellschaften gegründet. Der Wert lag zunehmend weniger im einzelnen gefundenen Stein als in der Kontrolle möglichst großer Teile der Lagerstätte.

Zu den Männern, die diese Entwicklung früh erkannten, gehörten Cecil John Rhodes und Barney Barnato. Rhodes war 1870 als Siebzehnjähriger nach Südafrika gekommen und hatte zunächst auf den Diamantenfeldern gearbeitet und unter anderem Pumpen vermietet. Barnato, Sohn eines Londoner Händlers, kam wenige Jahre später nach Kimberley und stieg vom Diamantenhändler zum Minenbesitzer auf. Beide kauften systematisch Claims und kleinere Gesellschaften auf. Hinter ihnen standen zunehmend Banken und internationale Kapitalgeber, denn der Abbau in größerer Tiefe erforderte Summen, die mit dem ursprünglichen Geschäft der Digger kaum noch aufzubringen waren.

Aus dem Wettbewerb der beiden Männer entwickelte sich ein Konzentrationsprozess, an dessen Ende Rhodes 1888 die De Beers Consolidated Mines Limited gründete. Nach der Übernahme von Barnatos Kimberley Central Mining Company kontrollierte De Beers den überwiegenden Teil der Kimberley-Diamantenproduktion und erlangte darüber hinaus eine beherrschende Stellung im südafrikanischen Diamantengeschäft. Aus den unübersichtlichen Claims der frühen 1870er Jahre war innerhalb von kaum zwei Jahrzehnten ein industriell organisierter Bergbau entstanden, dessen wirtschaftliche Macht sich in wenigen Händen konzentrierte.

Die Zeiten der frühen Diamantensucher war bald wieder vorbei. (Rekonstruktion)

Dieser Aufstieg beruhte jedoch nicht allein auf Kapital und Maschinen. In den Minen arbeiteten Tausende schwarze Wanderarbeiter, die aus verschiedenen Teilen des südlichen Afrika nach Kimberley kamen. Um Diamantendiebstähle zu verhindern und zugleich die Arbeitskräfte stärker kontrollieren zu können, führten die Minengesellschaften geschlossene Compounds ein. Die Arbeiter lebten während ihrer Vertragszeit innerhalb dieser Anlagen und unterlagen einer weitreichenden Kontrolle ihrer Bewegungen. Damit entstanden in Kimberley bereits Strukturen des südafrikanischen Wanderarbeitssystems, die später in den Goldminen am Witwatersrand in wesentlich größerem Umfang übernommen wurden.

Kimberley wurde nicht langsam zur Stadt. Es explodierte. Wo wenige Jahre zuvor kaum mehr als trockene Landschaft gewesen war, standen bald Hotels, Banken, Geschäfte und die Börse. Das Geld aus den Diamanten verlangte nach Geschwindigkeit und Komfort. 1882 erhellten elektrische Straßenlampen Teile der Stadt – zu einer Zeit, als selbst viele europäische Städte nachts noch im Gaslicht lagen. Ab 1887 rumpelten Pferde- und Maultierbahnen durch Kimberleys Straßen, 1905 folgte die elektrische Straßenbahn. Telegraph, Eisenbahn und moderne Fördertechnik banden die abgelegene Minenstadt immer enger an Kapstadt und die Weltmärkte.

Der Fortschritt hatte allerdings eine bemerkenswerte Kulisse. Neben elektrischem Licht lagen Staub, Abraum und das gewaltige Loch der Mine; neben den Häusern der Diamantenmagnaten standen einfache Unterkünfte der Arbeiter. Dampfmaschinen und Fördergerüste bestimmten den Horizont, während in Clubs, Hotels und Geschäftshäusern ein Wohlstand zur Schau gestellt wurde, den der Boden unter der Stadt hervorgebracht hatte. Kimberley zeigte damit früh eine Eigenart des industrialisierten Südafrika: modernste Technik, enormes Kapital und harte körperliche Arbeit existierten nicht nacheinander, sondern gleichzeitig – oft nur wenige Straßen voneinander entfernt.

Die Diamanten veränderten zugleich die Wirtschaft des gesamten Landes. Kimberley musste versorgt werden, obwohl die Stadt fern der Häfen und der großen landwirtschaftlichen Zentren lag. Straßen und später Eisenbahnlinien verbanden das Binnenland enger mit der Kapkolonie. Landwirtschaftliche Betriebe fanden neue Absatzmärkte, Banken finanzierten Bergbauunternehmen, Händler erschlossen neue Verbindungen. Südafrika begann sich von einer überwiegend agrarisch geprägten Wirtschaft zu einem Land zu entwickeln, dessen politische und wirtschaftliche Entwicklung zunehmend von seinen Bodenschätzen bestimmt wurde.

Als 1886 am Witwatersrand Gold entdeckt wurde, standen deshalb bereits Erfahrungen, Kapital und Unternehmer zur Verfügung, die zuvor in Kimberley entstanden waren. Johannesburg entwickelte sich in noch größerem Maßstab, doch viele seiner wirtschaftlichen Strukturen hatten ihre Vorläufer auf den Diamantenfeldern. Rhodes, Alfred Beit und andere Unternehmer konnten Vermögen und Geschäftsverbindungen aus Kimberley nun in den Goldbergbau investieren.

Hauptstrasse, Kimberley Mining Museum
In den Zeiten, in denen woanders Blue Jeans und der Viertaktmotor erfunden wurden, profitierten auch Kimberley von den Errungenschaften der neuen Zeit.
The Big Hole
1871 wurden am am Colesberg Kopje die ersten Diamanten gefunden. Bis zur Einstellung des Abbaus 1914 entstand das "größte je von Menschenhand gegrabene Loch", welches heute mitten in der Stadt liegt.
Straßenszene von ca. 1880, Kimberley Mining Museum
Anderer Kontinent, gleiche Szene. Ob auf den Goldfeldern Kaliforniens, in den Black Hills von South Dakota, ob der Cariboo Goldrausch oder später der Goldrausch am Witwatersrand. Auch die Suche nach Diamanten in Kimberley lockten Glücksritter und Abenteurer aus aller Welt an.
Deutsche Immigranten, Kimberley Mining Museum
Seit den Tagen Jan van Riebeecks zog es immer wieder Deutsche nach Südafrika, die vor den schlechten wirtschaftlichen oder politischen Verhältnissen ihrer Heimat sich in der Ferne eine neue Zukunft aufbauen mussten.
Damit verschoben sich auch die politischen Kräfte im südlichen Afrika. Die reichen Goldvorkommen lagen überwiegend in der unabhängigen Südafrikanischen Republik, während Großbritannien seinen Einfluss im südlichen Afrika ausbauen wollte. Wirtschaftliche Interessen, imperiale Machtpolitik und der Konflikt zwischen den britischen Kolonien und den Burenrepubliken verbanden sich zunehmend miteinander. Die Bodenschätze waren nicht die alleinige Ursache des Zweiten Burenkrieges von 1899 bis 1902, doch ohne die wirtschaftliche Bedeutung der Diamantenfelder und vor allem des Goldes am Witwatersrand lässt sich die zunehmende britische Einflussnahme auf die Burenrepubliken kaum verstehen.

Im Big Hole wurde noch bis 1914 gearbeitet. Aus dem kleinen Colesberg Kopje war inzwischen eine gewaltige Grube geworden, aus der Millionen Tonnen Gestein gefördert worden waren. Das Loch blieb, doch seine eigentliche Bedeutung liegt weniger in seinen Ausmaßen als in dem, was ringsherum entstanden war. Innerhalb einer Generation hatten die Diamanten aus einer abgelegenen Landschaft eine Industrieregion gemacht, internationale Kapitalgesellschaften nach Südafrika gebracht, Verkehrswege und Städte entstehen lassen und neue Formen der Arbeitsorganisation hervorgebracht.

Kimberley war damit mehr als der Schauplatz eines Diamantenrausches. Hier begann jene Verbindung aus Bodenschätzen, Kapital, Wanderarbeit und politischer Macht, die Südafrika für das folgende Jahrhundert entscheidend prägen sollte.

Straßenbahn, Kimberley Mining Museum
Diamanten machten Kimberley reich - elektrisches Licht, Strassenbahn und Börse folgten dem Staub der Minen.