1652 errichtet Jan van Riebeeck eine Versorgungsstation in der Tafelbucht. (Rekonstruktion)

Burenkrieg Übersicht zu Schlachten und Belagerungen (Rekonstruktion, ohne Gewähr auf Vollständigkeit oder korrekte Darstellung)

Steckbrief 2. Burenkrieg
1899 - 1902

Zeitraum: 11. Oktober 1899 – 31. Mai 1902
Bezeichnungen: Zweiter Burenkrieg · Anglo-Boer War · South African War
Kriegsparteien: Britisches Empire gegen Südafrikanische Republik (Transvaal) und Oranje-Freistaat

Vorgeschichte: Britische Expansion · Unabhängigkeit der Burenrepubliken · Goldfunde · Uitlanderfrage · Jameson Raid

1886: Goldfunde am Witwatersrand verändern die wirtschaftliche und politische Bedeutung Transvaals.

1895/96: Der gescheiterte Jameson Raid verschärft das Misstrauen gegenüber britischen Absichten.

1899: Verhandlungen über Uitlanderrechte und politische Einflussnahme scheitern; beide Seiten rüsten auf.

11. Oktober 1899: Beginn des Krieges nach Ablauf des Ultimatums der Südafrikanischen Republik.

Erste Kriegsphase: Burische Kommandos gehen in die Offensive und dringen in britisches Gebiet ein.

Belagerungen: Kimberley · Mafeking · Ladysmith

Black Week 1899: Britische Niederlagen bei Stormberg, Magersfontein und Colenso.

Spion Kop 1900: Schwere britische Niederlage beim Versuch, Ladysmith zu entsetzen.

Februar 1900: Kimberley wird entsetzt; burische Truppen werden bei Paardeberg eingeschlossen.

27. Februar 1900: Kapitulation mehrerer tausend Buren bei Paardeberg; gleichzeitig Entsatz von Ladysmith.

März 1900: Britische Truppen besetzen Bloemfontein.

Mai/Juni 1900: Johannesburg und Pretoria fallen; Großbritannien annektiert die Burenrepubliken.

Zweite Kriegsphase: Die Buren geben den regulären Krieg weitgehend auf und wechseln zum Guerillakrieg.

Guerillastrategie: Kleine berittene Kommandos greifen Eisenbahnen, Nachschubwege, Garnisonen und britische Kolonnen an.

Britische Gegenstrategie: Bewegliche Kolonnen · Blockhäuser · Stacheldrahtlinien · systematische Kontrolle des Landes

Verbrannte Erde: Farmen, Ernten und Vorräte werden zerstört, Vieh beschlagnahmt oder getötet.

Konzentrationslager: Burische Frauen und Kinder sowie schwarze Südafrikaner werden in getrennten Lagern interniert.

Folgen der Lager: Überbelegung, Krankheiten, schlechte Hygiene und mangelhafte Versorgung führen zu hoher Sterblichkeit.

1902: Guerillakommandos kämpfen weiter, ihre Versorgung und Bewegungsfreiheit werden jedoch zunehmend eingeschränkt.

31. Mai 1902: Frieden von Vereeniging beendet den Krieg.

Ergebnis: Transvaal und Oranje-Freistaat verlieren ihre Unabhängigkeit und werden britische Kolonien.

Wiederaufbau: Großbritannien stellt finanzielle Mittel für die zerstörten burischen Farmgebiete bereit.

Selbstverwaltung: Den ehemaligen Burenrepubliken wird eine spätere politische Selbstverwaltung zugesagt.

1910: Kapkolonie, Natal, Transvaal und Oranje-Freistaat bilden die Südafrikanische Union.

Langzeitwirkung: Der Krieg stärkt den Afrikaner-Nationalismus und prägt das Verhältnis zwischen Briten und Afrikanern nachhaltig.

Militärische Bedeutung: Übergang vom konventionellen Krieg zum Guerillakrieg und zu systematischer Aufstandsbekämpfung.

Gesellschaftliche Folgen: Zerstörte Farmen, Vertreibung, Arbeitskräftemangel und hohe zivile Verluste verändern weite Teile Südafrikas.

Erinnerung: Konzentrationslager und verbrannte Erde bleiben zentrale Bestandteile der afrikaansen Erinnerung an den Krieg.

Menschen des Krieges
Top Ten der bekanntesten Protagonisten

Paul Kruger 1825–1904
Präsident Transvaals und politische Symbolfigur des burischen Widerstands gegen britische Vorherrschaft.

Marthinus Steyn 1857–1916
Präsident des Oranje-Freistaates; hielt am Bündnis mit Transvaal und dem Widerstand fest.

Louis Botha 1862–1919
Führte burische Truppen bei Colenso und Spion Kop und später im Guerillakrieg.

Christiaan de Wet 1854–1922
Meister des beweglichen Guerillakrieges; entzog sich wiederholt großen britischen Verbänden.

Koos de la Rey 1847–1914
Erfolgreicher Guerillageneral im westlichen Transvaal; siegte noch 1902 bei Tweebosch.

Lord Roberts 1832–1914
Führte 1900 den britischen Vormarsch auf Bloemfontein, Johannesburg und Pretoria.

Lord Kitchener 1850–1916
Bekämpfte die Guerilla mit Blockhäusern, verbrannter Erde und Konzentrationslagern.

Alfred Milner 1854–1925
Britischer Hochkommissar und zentrale politische Figur der Eskalation vor dem Krieg.

Emily Hobhouse 1860–1926
Dokumentierte das Leiden in den Konzentrationslagern und erzwang öffentliche Aufmerksamkeit in Großbritannien.

Sol Plaatje 1876–1932
Dokumentierte Mafeking und bewahrte eine wichtige schwarze Perspektive auf den Krieg.

Weltgeschehen
Was passiert inzwischen woanders

1894 Das Auto wird zum Sport
Bei Paris–Rouen findet einer der ersten großen Wettbewerbe für Automobile statt.

1894/95 Japan besiegt China
Der Erste Chinesisch-Japanische Krieg macht den Aufstieg Japans zur ostasiatischen Großmacht sichtbar.

1895 Röntgenstrahlen
Wilhelm Conrad Röntgen entdeckt die nach ihm benannten Strahlen und revolutioniert die medizinische Diagnostik.

1895 Das Kino beginnt
Die Brüder Lumière führen in Paris ihre Filme öffentlich vor – bewegte Bilder werden zur neuen Sensation.

1896 Olympische Spiele
In Athen werden die Olympischen Spiele der Neuzeit ausgetragen.

1897 Aspirin
Felix Hoffmann synthetisiert bei Bayer Acetylsalicylsäure; 1899 kommt Aspirin als Arzneimittel auf den Markt.

1898 Marie und Pierre Curie
Die Curies entdecken Polonium und Radium; die Erforschung der Radioaktivität beginnt eine neue Epoche der Physik.

1898 Spanisch-Amerikanischer Krieg
Spanien verliert seine letzten bedeutenden überseeischen Besitzungen; die USA treten als neue Weltmacht hervor.

1899 Orientreise
Im März beginnt Karl May seine Orientreise.

1899 Philippinisch-Amerikanischer Krieg
Philippinische Unabhängigkeitskämpfer führen bis 1902 Krieg gegen die neue amerikanische Kolonialmacht.

1899 Opel baut Automobile
Die bisherige Nähmaschinen- und Fahrradfabrik beginnt in Rüsselsheim mit dem Automobilbau.

1900 Die Pariser Weltausstellung
Elektrisches Licht, Maschinen, bewegte Bilder und neue Verkehrsmittel präsentieren eine scheinbar grenzenlose technische Zukunft.

1900 Der Boxeraufstand
In China richtet sich die Boxerbewegung gegen ausländischen Einfluss; internationale Truppen greifen militärisch ein.

1900 Der Kodak Brownie
Eine preiswerte Kamera bringt Fotografie zunehmend aus den Ateliers in den Alltag gewöhnlicher Menschen.

1901 Königin Victoria stirbt
Nach 63 Regierungsjahren endet das viktorianische Zeitalter; Eduard VII. wird britischer König.

1901 Die ersten Nobelpreise
In Stockholm und Kristiania werden erstmals die von Alfred Nobel gestifteten Preise verliehen.

1901 Funk über den Atlantik
Marconi empfängt nach eigenen Angaben in Neufundland ein aus Cornwall übertragenes Funksignal.

1903 Der erste Motorflug
Orville und Wilbur Wright gelingen in Kitty Hawk die ersten kontrollierten Motorflüge eines Flugzeugs.

1904/05 Russland gegen Japan
Japan besiegt im Russisch-Japanischen Krieg eine europäische Großmacht und verändert das internationale Kräfteverhältnis.

Als am 11.Oktober 1899 der Krieg zwischen Großbritannien und den beiden Burenrepubliken begann, ging es längst um mehr als um die politischen Rechte britischer Einwanderer in Johannesburg. Hinter den diplomatischen Forderungen standen zwei Vorstellungen von der Zukunft des südlichen Afrika, die sich immer weniger miteinander vereinbaren ließen. Auf der einen Seite befand sich das Britische Empire, das Kapkolonie und Natal beherrschte und seinen Einfluss im südlichen Afrika weiter ausbauen wollte. Auf der anderen standen die Südafrikanische Republik, meist Transvaal genannt, und der Oranje-Freistaat, deren burische Bevölkerung ihre politische Unabhängigkeit gerade deshalb verteidigte, weil viele ihrer Vorfahren Jahrzehnte zuvor die britisch beherrschte Kapkolonie verlassen hatten.

Der Konflikt war älter als der Krieg selbst. Die britische Übernahme des Kaps zu Beginn des 19. Jahrhunderts, der Große Trek, die Gründung der Burenrepubliken und schließlich deren Anerkennung hatten ein Nebeneinander geschaffen, das nur so lange einigermaßen funktionierte, wie das Binnenland wirtschaftlich für Großbritannien von begrenztem Interesse blieb. Selbst der Erste Burenkrieg von 1880/81, in dem Transvaal seine weitgehende Selbstständigkeit behauptete, änderte daran zunächst wenig.

Mit den Goldfunden am Witwatersrand 1886 verschoben sich die Verhältnisse. Johannesburg entstand beinahe aus dem Nichts, internationale Bergbaugesellschaften investierten enorme Summen, und aus einem vergleichsweise armen Bauernstaat wurde innerhalb weniger Jahre das wirtschaftliche Zentrum des südlichen Afrika. Zehntausende Zuwanderer kamen in die Südafrikanische Republik. Diese Uitlanders waren überwiegend keine Bürger des Landes und verfügten nur eingeschränkt über politische Rechte. Präsident Paul Kruger fürchtete, dass eine schnelle Einbürgerung die alte burische Bevölkerung politisch zur Minderheit im eigenen Staat machen könnte. Großbritannien wiederum machte die Rechte der Uitlanders zunehmend zu einer außenpolitischen Frage.

"Abschied - Afskeid", Bloemfontein, Freistaat
Während das Empire auf eine hochgerüstete Armee zurückgreifen konnte, bestanden die Mehrzahl der burischen Truppen aus Milizverbänden, die jedoch gut bewaffnet und beritten hoch mobil waren.
Harrismith, Freistaat
Im Kampfgebiet waren etwas mehr als 200 Journalisten unterwegs, einige davon in der neuen Technik der Pressephotographie, und versorgten die Öffentlichkeit mit so gründlichen Informationen wie noch nie über einen Krieg zuvor.
For King and Empire - Britische Gräber
Zu Beginn des Krieges können die Buren viele Schlachten für sich entscheiden, müssen sich jedoch nach einem knappen Jahr Kampf der Übermacht der Briten beugen. Aufgrund der folgenden Guerillataktik der Buren kann das Empire jedoch keinen Sieg erlangen
Wie eng wirtschaftliche Interessen und politische Einflussnahme miteinander verbunden waren, zeigte der Jameson Raid zum Jahreswechsel 1895/96. Der Engländer Leander Starr Jameson marschierte mit mehreren hundert bewaffneten Männern aus dem britisch kontrollierten Bechuanaland in Transvaal ein. Der erwartete Aufstand in Johannesburg blieb aus, Jamesons Truppe musste nach wenigen Tagen kapitulieren und Cecil Rhodes, damals Premierminister der Kapkolonie und in die Planungen verwickelt, zurücktreten. Für die Regierung in Pretoria war der Überfall ein deutlicher Hinweis darauf, dass die formale Unabhängigkeit der Republik allein keinen Schutz gegen britische Einflussnahme bot.

In den folgenden Jahren rüsteten beide Seiten auf. Transvaal kaufte moderne Mausergewehre und schwere Geschütze, der Oranje-Freistaat rückte enger an die Schwesterrepublik heran. Großbritannien verstärkte seinerseits seine Truppen im südlichen Afrika. Als die Verhandlungen 1899 endgültig festliefen und immer weitere britische Verbände eintrafen, stellte Transvaal ein Ultimatum. London ließ die Frist verstreichen. Am 11. Oktober begann der Krieg.

Dabei waren es zunächst die Buren, die die Initiative ergriffen.

Ihre Kommandos überschritten die Grenzen nach Natal und in die Kapkolonie. Bereits bei Talana Hill und Elandslaagte zeigte sich im Oktober 1899, dass der Krieg keineswegs der kurze Feldzug werden würde, den manche britische Politiker erwartet hatten. Die Buren verfügten nicht über eine klassische Berufsarmee. Ihre berittenen Kommandos bestanden überwiegend aus Bürgern, die mit Pferd und Gewehr zum Dienst einrückten, das Gelände kannten und selbstständig operieren konnten. Mit ihren modernen Mausergewehren und gut eingesetzter Artillerie waren sie einem Gegner gewachsen, der zunächst noch zu häufig nach den Regeln europäischer Kolonialkriege kämpfte.

Burenkommando - berittene ortskundige Kämpfer der Burenrepubliken im Guerillakrieg. (Rekonstruktion)

Britischer Soldat - Berufssoldat des Empire im Krieg gegen die Burenrepubliken. (Rekonstruktion)

Die Buren belagerten Kimberley, Mafeking und Ladysmith und banden damit erhebliche britische Kräfte. Besonders deutlich wurde die britische Fehleinschätzung im Dezember 1899. Innerhalb weniger Tage scheiterten mehrere britische Angriffe. Die sogenannte Black Week kostete Großbritannien Tausende Tote, Verwundete und Gefangene und machte deutlich, dass die Buren weder militärisch rückständig noch mit einem schnellen Vormarsch zu besiegen waren.

Bei Magersfontein hatten sich die Männer unter Piet Cronjé nicht, wie von den Briten erwartet, auf den Höhen verschanzt, sondern am Fuß der Hügel eingegraben. Die Highland Brigade marschierte in der Dunkelheit beinahe geschlossen auf die gut getarnten Stellungen zu und geriet im Morgengrauen in schweres Gewehrfeuer. Wenige Tage später scheiterte General Redvers Buller bei Colenso beim Versuch, den Tugela zu überschreiten und Ladysmith zu entsetzen.

Auch Spion Kop im Januar 1900 wurde zum Sinnbild der ersten britischen Kriegsphase. Britische Truppen besetzten nachts einen Höhenzug, stellten am Morgen jedoch fest, dass sie nicht dessen beherrschenden Punkt erreicht hatten. Burische Schützen und Artillerie nahmen die dicht gedrängten Soldaten unter Feuer. Nach hohen Verlusten räumten die Briten die Stellung wieder.

London reagierte mit einer massiven Verstärkung seiner Armee und einem Wechsel der Führung. Lord Roberts übernahm das Oberkommando, Lord Kitchener wurde sein Stabschef. Nun machte sich der Unterschied zwischen zwei kleinen Republiken und einem Weltreich bemerkbar. Großbritannien konnte Soldaten, Pferde, Waffen und Nachschub in einer Größenordnung nach Südafrika bringen, die den Buren nicht zur Verfügung stand.

Fort Schanskop, Pretoria, Gauteng
Nach dem niedergeschlagenen Jameson Raid 1896 veranlasste die Regierung von Transvaal zum Schutz Pretorias die Errichtung von vier Forts (Fort Klapperkop, Fort, Wonderboompoort, Fort, Daspoortrand). Fort Schanskop wurde unter der Anleitung von deutschen Ingenieuren der Fa. Krupp errichtet und im März 1897 übergeben.
Im Februar 1900 änderte sich der Verlauf des Krieges. Kavallerie unter John French durchbrach die burischen Linien und entsetzte Kimberley. Kurz darauf wurde Piet Cronjés Kommando bei Paardeberg eingeschlossen. Nach mehrtägigen Kämpfen kapitulierte Cronjé am 27. Februar mit mehreren tausend Männern – ein schwerer Verlust für die Buren. Am selben Tag gelang den Briten schließlich auch der Durchbruch nach Ladysmith.

Von nun an rückten die britischen Verbände systematisch in die Republiken vor. Bloemfontein fiel im März, Johannesburg Ende Mai und Pretoria im Juni 1900. Die Regierung des Transvaal wich nach Osten aus, Großbritannien erklärte die beiden Republiken schließlich zu britischem Gebiet.

Nach den Regeln eines europäischen Staatenkrieges hätte der Krieg damit beendet sein können. Doch genau an diesem Punkt änderte er seinen Charakter.

Auf beiden Seiten dienten schwarze Hilfskräfte als Kundschafter, Führer und bewaffnete Unterstützung. (Rekonstruktion)

Die Buren konnten keine größeren Städte mehr halten und kaum noch geschlossene Fronten bilden. Männer wie Louis Botha, Christiaan de Wet und Koos de la Rey lösten ihre Kräfte deshalb in kleinere, hochbewegliche Kommandos auf. Sie kannten das Gelände, bewegten sich mit wenigen Versorgungsgütern über große Entfernungen, griffen isolierte britische Posten, Nachschubkolonnen und Eisenbahnlinien an und verschwanden, bevor größere britische Verbände herangeführt werden konnten.

Aus dem regulären Krieg wurde ein Guerillakrieg.

Besonders De Wet führte die Briten im Oranje-Freistaat immer wieder vor erhebliche Probleme. De la Rey operierte erfolgreich im westlichen Transvaal, Botha im Osten. Eisenbahnlinien wurden unterbrochen, Züge angegriffen, kleinere Garnisonen überfallen. Die britische Überlegenheit an Soldaten und Material blieb bestehen, ließ sich gegen einen Gegner ohne feste Front jedoch nur schwer einsetzen.

Die Antwort darauf war eine immer systematischere Kontrolle des Landes. Entlang der Eisenbahnlinien und quer durch die Landschaft errichteten die Briten Tausende Blockhäuser, kleine befestigte Stellungen, die durch Stacheldraht miteinander verbunden wurden. Das offene Land wurde in immer kleinere Räume zerlegt. Bewegliche britische Kolonnen durchkämmten diese Abschnitte und versuchten, die Kommandos gegen die Sperrlinien zu treiben.

Schematischer Schnitt eines Blockhauses. (Rekonstruktion)

Doch solange die Buren auf Farmen Nahrung, Pferde, Informationen und Unterkunft erhielten, konnten sie weiterkämpfen. Genau hier setzte die zweite britische Strategie unter Lord Kitchener an.

Farmen wurden niedergebrannt, Ernten vernichtet, Vieh beschlagnahmt oder getötet und Vorräte zerstört. Diese Politik der verbrannten Erde sollte den Guerillakommandos ihre wirtschaftliche und soziale Grundlage entziehen. Ganze Landstriche wurden systematisch geräumt. Was militärisch als Unterbrechung der gegnerischen Versorgung gedacht war, traf damit zwangsläufig auch die Zivilbevölkerung.

Frauen und Kinder der Buren wurden von den zerstörten Farmen in britische Konzentrationslager gebracht. Daneben entstanden getrennte Lager für schwarze Südafrikaner, die ebenfalls aus den Kriegsgebieten vertrieben worden waren. Die Lager waren nicht als Vernichtungslager im späteren nationalsozialistischen Sinn eingerichtet worden; die Folgen waren dennoch verheerend. Überbelegung, schlechte hygienische Verhältnisse, mangelhafte Ernährung und Krankheiten führten insbesondere unter Kindern zu einer hohen Sterblichkeit.

Die britische Sozialreformerin Emily Hobhouse besuchte mehrere Lager und machte die Zustände in Großbritannien öffentlich. Ihre Berichte lösten heftige Diskussionen aus und zwangen die Regierung schließlich zu Verbesserungen. Das System der Lager und seine Opfer gehören jedoch zu den nachhaltigsten Erinnerungen, die der Krieg in der afrikaansen Bevölkerung hinterließ.

Blockhaus, Bloemfontein, Freistaat
Um die Bewegungen der Buren vollständig zu überwachen, ließ Kitchener das Land mit kleinen Forts und Blockhäusern überziehen. Diese sollten die britischen Nachschublinien schützen und den Guerillakrieg behindern.
Friedhof beim Konzentrationslager Doornbult, Nordkap
Aufgrund unmenschlicher Bedingungen, Hitze und mangelnder Versorgung der internierten Zivilbevölkerung starben in den britischen concentration camps vor allem Kinder.

Das britische System der verbrannten Erde traf in erster Linie Frauen und Kinder. (Rekonstruktion)

Für die schwarze Bevölkerung hatte der Krieg ebenfalls schwere Folgen. Zehntausende verloren Häuser, Ernten und Vieh, wurden vertrieben oder in getrennten Lagern untergebracht. Andere arbeiteten als Fahrer, Kundschafter, Arbeiter und Hilfskräfte für eine der beiden Seiten. Damit war der Krieg zwar politisch und militärisch vor allem eine Auseinandersetzung zwischen dem Britischen Empire und den Burenrepubliken, seine Auswirkungen reichten jedoch weit darüber hinaus.
Die Verbindung aus Blockhauslinien, beweglichen Kolonnen und verbrannter Erde zeigte schließlich Wirkung. Die Kommandos konnten weiterhin einzelne Erfolge erzielen – noch 1902 erlitt Großbritannien bei Tweebosch eine empfindliche Niederlage gegen De la Rey –, doch ihre Bewegungsräume wurden kleiner, Pferde und Lebensmittel knapper und die Versorgung immer schwieriger. Gleichzeitig befanden sich viele ihrer Familien in den Lagern, Farmen waren zerstört und die wirtschaftliche Grundlage der Republiken weitgehend zusammengebrochen.

Am 31.Mai 1902 unterzeichneten die Vertreter der Burenrepubliken und Großbritanniens den Frieden von Vereeniging. Transvaal und Oranje-Freistaat verloren ihre staatliche Unabhängigkeit und wurden britische Kolonien. Den Buren wurden jedoch der Wiederaufbau ihrer Farmen, eine spätere Selbstverwaltung und die weitere Verwendung des Niederländischen zugesichert. Die politische Gleichstellung der schwarzen Bevölkerung wurde vertagt – mit Folgen, die weit über den Krieg hinausreichen sollten.

Großbritannien hatte militärisch gewonnen, doch die politische Ordnung nach dem Krieg entwickelte sich anders, als ein einfacher Sieg vermuten ließe. Ehemalige burische Generäle wie Botha und Jan Smuts wurden wenige Jahre später zu führenden Politikern. 1910 schlossen sich Kapkolonie, Natal, Transvaal und Oranje-Freistaat zur Südafrikanischen Union zusammen. Die früheren Gegner fanden innerhalb eines gemeinsamen Staates vergleichsweise schnell zu einer politischen Zusammenarbeit.

Der Zweite Burenkrieg war damit nicht nur der Kampf eines Weltreiches gegen zwei kleine Republiken und ebenso wenig allein ein Krieg um die Goldfelder des Witwatersrand. Britischer Imperialismus, wirtschaftliche Interessen, burischer Unabhängigkeitswille und die Veränderungen einer durch Bergbau und Einwanderung neu geordneten Gesellschaft hatten den Konflikt über Jahrzehnte vorbereitet.

Sein militärischer Verlauf zeigte zugleich zwei sehr unterschiedliche Kriege. Der erste wurde mit Belagerungen, Artillerie und großen Verbänden geführt und schien mit der Einnahme von Bloemfontein und Pretoria entschieden. Der zweite fand auf Farmen, Eisenbahnlinien und im offenen Veld statt. Gegen diesen Guerillakrieg setzte Großbritannien schließlich nicht allein mehr Soldaten ein, sondern griff zunehmend auf die systematische Kontrolle und Zerstörung des Landes zurück.

Damit verlagerte sich der Krieg von den Schlachtfeldern immer stärker in den Alltag der Zivilbevölkerung – und gerade diese letzte Phase hinterließ in Südafrika die tiefsten Spuren.

Frauendenkmal, Bloemfontein, Freistaat
Die zahlreichen gefangenen Buren wurden nach Übersee in die britischen Kolonien verschifft. Viele verbrachten ihre Gefangenschaft auf Ceylon, den Bermudas oder auf St. Helena.
"Die Bittereinde", Bloemfontein, Freistaat
Am Ende des Krieges waren von den etwa 450.000 britischen Soldaten fast 22.000 gestorben. Über 34.000 Afrikaner (Männer, Frauen und Kinder) ließen ihr Leben, davon fast 28.000, allein 22.000 Kinder, in den Konzentrationslagern der Briten. Über 30.000 Farmen waren niedergebrannt worden.
Die Burenrepubliken wurden Teil des britischen Empires. Auch wenn Holländisch als Unterrichtssprache anerkannt wurde, sahen die Briten die Buren noch jahrelang als Menschen zweiter Klasse an.