SARAJEVO 1 von 3
ZEHN JAHRE NACH KRIEGSENDE IN BOSNIEN-HERZEGOWINA (SOMMER 2005)
Skyline von Sarajevo

Auf dem Balkan treffen seit Jahrhunderten Ost und West, Christen und Muslime aufeinander - immer wieder Potential und Zündstoff für Krisen.

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks Anfang der 1990er Jahre erreichten Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit. In einer Volksabstimmung entschieden sich die bosnischen Muslime (Bosniaken) daraufhin auch für einen unabhängigen Staat. Doch diese Entscheidung wurde von den bosnischen Serben boykottiert, die einen großserbischen Staat anstrebten. Der Konflikt um ethische und territoriale Grenzen setzte sich fort und mündete letztlich im Balkankrieg der 1990er Jahre.

KRIEG UND BELAGERUNG

Mit dem Zerfall des Ostblocks Anfang der 1990er Jahre verzichtete auch in Jugoslawien die Kommunistische Partei auf ihre Vormachtstellung. 1992 lebten weit über 500.000 Menschenn Sarajevo. Nach der Zulassung freier Wahlen begann Jugoslawien zu zerfallen. In einem von den Serben boykottierten Referendum stimmten 66 Prozent der Einwohner von Bosnien und Herzegowina für die Unabhängigkeit.

Am 06.April beschossen bosnische Serben mit Hilfe der Jugoslawischen Volksarmee zum ersten Mal die Stadt von den umliegenden Hügeln. Sie kesselten Sarajevo in einem Belagerungsring ein, machten die Bevölkerung mürbe: Wasser, Strom und Versorgung wurden nahezu komplett gedrosselt. Die Stadt war von diesem Zeitpunkt an vollständig umzingelt und erlebte die längste Blockade in der neueren Geschichte.

Die Belagerung dauerte 1.395 Tage und Nächte. Die einzige Verbindung zur Außenwelt war ein geheimer Tunnel unter dem Flughafen. Sarajevo lag unter permanenten Beschuß: 120 Artilleriegeschütze und 250 Panzer waren auf die Stadt gerichtet. Scharfschützen beschossen jeden, egal ob Erwachsene oder Kinder. Die Hauptstraße an der Miljaçka erhielt den blutigen Namen „Sniperallee“. Internationale Truppen wandten sich mit UN-Mandat gegen die Streitkräfte der bosnischen Serben. Im Oktober 1995 wurde ein Waffenstillstand erzielt und später der Friedensvertrag von Dayton unterzeichnet. Sarajevo war wieder frei.

Der Belagerung und den Kämpfen fielen auf beiden Seiten der geteilten Stadt 10.615 Menschen, unter ihnen 1.601 Kinder, zum Opfer. Durch Granaten, Minen oder Scharfschützen wurden rund 50.000 Menschen, teilweise schwer, verletzt.

PROLOG

Wie soll man ein Land beschreiben, welches gemeinhin als Schmelztiegel der Kulturen bekannt und seit Jahrhunderten das Scharnier zwischen Orient und Okzident ist? Es ist nicht einfach, über den „Brennpunkt Europas“, das „Pulverfass“ zu berichten, ohne die notwendige Objektivität zu verlieren. Nach dem Balkankrieg in den 1990er Jahren ist Bosnien-Herzegowina zerrütteter denn je. Die Narben der „ethnischen und kulturellen Säuberungen“ haben sich in diesen Teil des ehemaligen Jugoslawien tiefer in die Seele der Menschen eingegraben als anderswo.

Mit Sicherheit wird geraten, sich dem Balkan offen und voller Neugier zuzuwenden. Je objektiver man sich dem Land nähert, umso eher besteht die Chance, Antworten zu erhalten auf Fragen, die noch gar nicht gestellt wurden. Unvoreingenommenheit ist der Schlüssel zur Seele eines Landes. Besonders gilt dies für den Balkan - der mitten in Europa liegt.

Doch vorerst die einfachen „Fakten“ über Bosnien-Herzegowina

(Quelle: Bertelsmann Universallexikon, fjp-media - Stand 2005):

Im Norden des Landes liegt die fruchtbare, dicht besiedelte Saveniederung. Im mittleren Landesteil erstreckt sich ein bewaldetes Karstgebiet mit fruchtbaren Becken, an das sich das erzreiche, dichtbewaldete Bosnische Erzgebirge anschließt. Im äußersten Südwesten erhebt sich ein bis 2.298 m hohes, waldarmes Gebiet mit dünner Besiedlung.

Die Bevölkerung setzte sich 1991 zusammen aus 43,7% Bosniern, zu 31,4% aus Serben, 17,3% Kroaten, 5,5% Jugoslawen und 0,3% Montenegrinern. Seitdem ist es durch Flüchtlingsbewegungen zu starken Bevölkerungsverschiebungen gekommen. Die Bosnier gehören überwiegend dem Islam, die Serben der serbisch-orthodoxen und die Kroaten der katholischen Kirche an.

Neben reichen Bodenschätzen wie Eisenerz, Bauxit, Braunkohle, Blei, Zink und Chrom stützt sich die Wirtschaft auf die verarbeitende Industrie (Maschinenbau, Eisen- und Stahl-, Holz- und chemische Industrie). Zur Energiegewinnung dienen zahlreiche Stauanlagen. Das Land ist aufgrund seiner geografischen Beschaffenheit verkehrsmäßig wenig erschlossen. Die Verkehrswege orientieren sich zumeist an den Flusstälern.

GESCHICHTE

Seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. wurden die ansässigen illyrischen Stämme in das Römische Reich eingegliedert; slawische Besiedlung erfolgte im 7. Jahrhundert; eine eigenständige Entwicklung wurde durch mächtige Nachbarn lange Zeit behindert. Gestützt auf den Erzreichtum des Landes, konnten sich seit dem 12. Jahrhundert einheimische Herrscher durchsetzen. Höhepunkt der territorialen Ausdehnung war die Erweiterung bis an die Adriaküste (Kotor, Split, Schibenik, Trogir) unter Ban Tvrtko I. (1353—1391), der sich 1377 in Milesevo zum König Bosniens und Serbiens krönen ließ und das Gebiet endgültig aus der ungarischen Oberhoheit löste.

1463 eroberten die Türken Bosnien, 1482 auch das Land Hum (im 14. Jahrhundert an Bosnien angegliedert, seit 1448 durch Verleihung des Herzogstitels bekannter als „Herzogsland“, das ist Herzegowina). In der Folgezeit gab es unter dem Adel und den Städtern große Islamisierungserfolge. Bosnien wurde zu einem typischen Übergangsland zwischen den ethnischen Gruppen (Kroaten und Serben) und den Konfessionen (Katholizismus, Orthodoxie und Islam). Es war 1878 unter österreichischer Verwaltung, wurde 1908 von Österreich annektiert (Bosnische Krise) und kam 1918 zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, dem späteren Jugoslawien.

Im Verlauf des jugoslawischen Bürgerkriegs proklamierte Bosnien-Herzegowina im März 1992 seine Unabhängigkeit. Die EG erkannte am 7. 4. 1992 die Unabhängigkeit an. Bosnische Serben und bosnische Kroaten riefen souveräne Staaten auf bosnischem Gebiet aus. Die bosnischen Serben eroberten mit Unterstützung „Rest-Jugoslawiens“ bis Oktober 1992 rund 70% des Staatsgebiets von Bosnien-Herzegowina. Auch zwischen den zumächst gemeinsam operierenden Truppen der bosnischen Kroaten und bosnischen Moslems kam es zu militärischen Auseinandersetzungen. Internationale Vermittlungsbemühungen, der Einsatz von UN-Truppen und die Einrichtung von Schutzzonen für die moslemische Bevölkerung verhinderten nicht die Eskalation der Auseinandersetzungen.

Unter dem Begriff „ethnische Säuberungen“ vertrieben insbesondere die bosnischen Serben Angehörige der anderen Volksgruppen aus denen von ihnen eroberten Gebieten. Dabei wurde vor allem die Zivilbevölkerung Opfer von Greueltaten (Massaker, Massenvergewaltigungen). Große Teile der Einwohner Bosnien-Herzegowinas flohen aus ihren angestammten Wohngebieten. Im Februar 1994 unterzeichneten die bosnische Regierung und die bosnischen Kroaten ein Waffenstillstandsabkommen und später einen Vertrag zur Bildung einer Föderation. Inzwischen versuchten die bosnischen Serben weiter, ihre militärische Position zu verbessern. 1995 erzielten die bosnischen Regierungstruppen im Zusammenwirken mit Kroatien erhebliche Geländegewinne in West- und Mittelbosnien.

Politischer Druck der USA sowie Militärschläge der NATO gegen die bosnischen Serben führten im Oktober 1995 zu einem Waffenstillstand und zur Unterzeichnung des Friedensabkommens von Dayton (USA), in dem u. a. festgelegt wurde, daß Bosnien-Herzegowina als einheitlicher Staat mit 2 Teilrepubliken (moslemisch-kroatische Föderation und Serbische Republik) bestehen bleibt. Eine internationale Friedenstruppe (IFOR, Implementation Force) unter NATO-Führung sorgte für die Umsetzung des Abkommens. Im September 1996 fanden Wahlen für die Exekutiven der Teilrepubliken, ein gemeinsames Parlament und ein dreiköpfiges Staatspräsidium statt. A. Izetbegovic (Partei der demokratischen Aktion, SDA), bereits seit 1992 Staatsoberhaupt des unabhängigen Bosnien-Herzegowinas und Vertreter der moslemischen Bosnier, wurde zum Vorsitzenden des Staatspräsidiums gewählt.

MOSTAR

Besonders schwere Kämpfe erlebt Mostar 1993. Durch gezielten Beschuss wird die alte Brücke über die Neretva am 09.November aus rein propaganditischen Gründen zerstört.

GESCHICHTE SARAJEVOs

1263 – Gründung

1415 – erstmalige Erwähnung
1463 – Beginn der osmanischen Herrschaft
1850 – Hauptstadt Bosniens
1878 – als Hauptstadt des „Kondominiums“ zu Österreich-Ungarn
1914 – Attentat auf Erzherzog Franz Ferdiand wird Auslöser des Ersten Weltkrieges
1918 – zu Jugoslawien
MARIA UND FIKRETA

Die Erinnerungen an den Krieg aus Kindheitstagen können die jungen Frauen nicht vergessen. Doch die Zukunft liegt vor ihnen und es liegt in ihren Händen, diese ohne Hass zu gestalten.

1941-45 – beim „Unabhängigen Staat Kroatien
1945 – Hauptstadt der Teilrepublik Bosnien und Herzegowina innerhalb Jugoslawiens
1984 – Olympischen Winterspiele
1992 – Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina
1992-95 Belagerung durch bosnisch-serbische Freischärler

Sarajevo, Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina mit 360.000 Einwohnern im Tal der Miljaçka; orientalische Altstadt mit 72 Moscheen und Basar; Kathedrale; Universität; Maschinen- und Fahrzeugbau (in den ersten Tagen der Belagerung wurden die deutschen Mitarbeiter des VW-Werkes unter Beschuss ausgeflogen); Leder-, Nahrungsmittel-, Holz-, Elektro-, Teppich-, Textil- und Tabakindustrie; internationaler Flughafen

WEITERE FAKTEN

- Einreisebestimmungen: Personalausweis sollte genügen, Reisepass ist jedoch besser und das Rückfahrtticket muss man mithaben

- Es besteht eine Registrierungspflicht, ausländische Staatsbürger müssen sich 24 Stunden nach Einreise polizeilich melden, in Sarajevo hat dies bei der Ausländerabteilung des Kantonalen Innenministeriums Sarajevo, Zmaja od Bosne 9, 71000 Sarajevo, Tel.: 00387-33664 211 zu erfolgen
- Die medizinische Versorgung ist noch nicht mit EU-Standart zu vergleichen; ein ausreichender, weltweit gültiger Krankenversicherungsschutz und eine zuverlässige Reiserückholversicherung mit Gültigkeit für Bosnien-Herzegowina werden dringend empfohlen
- Elektronische Geräte müssen bei der Einfuhr angemeldet werden, die Ausfuhr muss nachgewiesen werden
- Waffen dürfen nicht mitgenommen werden
- Für Zigaretten und Alkohol gelten die Bestimmungen der EU

KLIMA

- Mischung aus mediterranem und zentraleuropäischem Wetter

- Heiße Sommer und lauwarme Winter
GLAUBENSKRIEG

Über Monate hinweg kam es in Mostar 1993 zu heftigen Kämpfen zwischen Kroaten und Bosniaken.

KOSTEN

- Währung – Konvertible Mark KM

- Die meisten Preise werden in KM angezeigt, vielerorts werden Euro akzeptiert
- Kreditkarten werden eher weniger akzeptiert
- Reiseschecks können in Banken größerer Städte eingelöst werden, allerdings sollte man Verzögerungen von bis zu mehreren Wochen in Kauf nehmen

WARNUNG

- Befestigte Gehwege sollten insbesondere in ländlichen Gegenden auf Grund von Landminen nicht verlassen werden. Auch in den Randbezirken von Sarajevo besteht immer noch die Gefahr von nicht geräumten Minen – Belagerungsring/ Frontverlauf.

- Hohe Kriminalität auf Grund hoher Arbeitslosigkeit

WEITERFÜHRENDE LINKS
www.auswaertigesamt.de