AUSTRALIEN - OUTBACK 2 von 2
TRAUMSTRASSEN, MYTHOS UND EINGEBORENE, MÜCKEN UND TOURISTEN
Simpson Desert

Die Weite und Faszination des roten Kontinents ist besonders aus der Luft zu sehen. Bedeuteten vor einhundertfünfzig Jahren Reisen durch Australien noch Mühe, Anstrengung, wochenlange Entbehrungen und mitunter Tod und war nur Abenteurern, Wagemutigen oder schier Verrückten vorbehalten, ist der Flug von Alice Springs nach Sydney heute Routine und dauert nur etwas mehr als zwei Stunden. Klimaanlage eingeschlossen.

Presselandschaft

Das zum britischen Commonwealth gehörende Australien hat eine bunte Bandbreite an regionalen und überregionalen Zeitschriften und anderen Medien. Bei den sportbegeisterten Aussies stehen Rugby, Segeln und Pferderennen besonders hoch im Kurs.

„... Am 30. October wurden wir aus dem Busche von Eingeborenen angerufen; aber mit Ausnahme eines hielten sie sich uns ausser Gesicht. Dieser Mann kannte einige Englische Worte und sprach den Dialect der Darling-Dünen.; er schien mit der Gegend um Jimba bekannt zu sein und bat um die Erlaubnis, in unser Lager kommen zu dürfen; diese gab ich ihm indess nicht. Sie gingen, als sie uns unsere Gewehre ergreifen und zwei Pferde aus dem Lager bringen sahen, in den Busch zurück. Am 3. Nov. Besuchten sie uns wieder und unterhielten sich mit uns auf sehr freundschaftliche Weise, zeigten uns in einem der nächsten Baumstämme Honig, unterstützen uns beim Ausschneiden desselben, assen auch etwas davon und baten uns um Taback. Es war uns indess nicht möglich, ihnen Geschenke zu machen, da wir in jeder Hinsicht sparsam sein mussten. Besonders bewunderten sie unsere rothen decken. Beim Erblicken eines Degens wurden sie von Schrecken ergriffen  und baten zitternd, ihn in die Scheide zu stecken. Sie staunten über das Ticken der Uhr und die Bewegung ihrer Räder. Grössten Theils waren es junge Männer von freundlicher Gemüthsart und gefälligem Aeusseren. Die Kinder bleiben in einiger Entfernung; Frauen sah ich nur zwei.“ (aus: „Tagebuch einer Landreise in Australien von Moreton-Bay nach Port Essington während der Jahre 1844 und 1845 von Ludwig Leichhardt“, 1851)

Über die alte Telegraphenstation Alice Springs, die fast im geographischen Zentrum des Kontinents liegt, wurde bereits genügend geschrieben. Der nahe Ayers Rock, der seit 1993 offiziell in der Sprache der lokalen Aborigines Uluru heißt, ist bekanntermaßen das bekannteste Wahrzeichen Australiens und die meisten Besucher kommen über den kleinen Flughafen von Alice Springs. Aber was bedeutet schon nah in Australien.

Als unser Flieger am frühen Nachmittag landete, empfing uns das Outback sonnendurchflutet und heiß. Wir checkten im Motel ein, welches wir glücklicherweise bereits von Deutschland aus gebucht hatten und füllten unseren Proviant für die nächsten Tage auf. Alice Springs drückte sich mit seinen schnurgeraden Straßen, den Cafés und Restaurants, Geschäften und Kunstgalerien, der Todd Mall im Outback- und Aboriginal-Flair, seinen 24.000 Einwohnern und Aborigines, zahllosen Touristen, Truckfahrern und dem ausgetrockneten Todd River an die MacDonnell Ranges. In den Outdoorläden war alles zu bekommen was für das Outback nötig und nicht nötig war. Vor dem örtlichen Bottleshop sondierte ein Wachmann die Einkäufer. Das wenige Jahre zuvor beschlossene Alkoholverbot für Aborigine wird immer wieder kontrovers diskutiert. Der stete Alkoholmissbrauch der Ureinwohner steht der befürchteten Entmündigung gegenüber. Auch 200 Jahre nach der Besiedlung des Kontinents durch die Europäer ist das Verhältnis im australischen Alltag gespannt.

Vom Anzac Hill, dem Denkmal für die Streitkräfte des Britischen Empire im Ersten Weltkrieg, genossen wir den Blick auf die Stadt und hinüber zur MacDonnell Range, die sich gegen die untergehende Sonne stemmte. Am Samstagnachmittag schlief Alice Springs, das sich von einer Telegrafenstation im australischen Nirgendwo zum wichtigsten Rastplatz und Touristenort im australischen Nirgendwo entwickelt hatte und nur ein lauschiges Straßenfest lockte einige Einwohner nach draußen. Eine Gruppe Aborigines hielt im staubtrockenen Bett des Todd Rivers ein Mittagsschläfchen, einige Trucker kümmerten sich sorgfältig um ihre „Road Trains“ und die wenigen Touristen tranken in „Uncles Tavern“ ein tiefgefrorenes „Fat Yak“. Wir machten einen kurzen Stopp an der alten Telegrafenstation, die heute als Museum den rauen Charme der Gründerjahre widerspiegelt. Nach dem Briten Charles Todd, dessen Idee, eine 3.200 km lange Süd-Nord-Leitung zwischen Darwin und Port Augusta zu verlegen, Alice Springs seine Existenz zu verdanken hat, wurden zahlreiche Orte im Ort benannt.

Die Wildnis des Red Centre begann für uns gleich hinter dem Eisenbahnmuseum Old Ghan Heritage Railway. Der Stuart Highway führte nahezu schnurgerade durch die rote Sandwüste in Richtung Südenwesten, bevor sie am Erlunda Roadhouse scharf nach Westen auf den Lasseter Highway abknickte. Da wir auf Nummer sicher gingen, tankten wir unseren kleinen Mietwagen voll und folgten dem gut asphaltierten Lasseter Highway, der von nicht enden wollenden Sanddünen, Findlingen und verbrannten Sträuchern flankiert wurde. Der 288 Kilometer lange Highway, der nach dem Goldsucher Harold Lasseter benannt wurde, endet an den Olgas im Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark. Wir campten in dem kleinen, in den 1980er Jahren für die Touristen aus dem roten Boden gestampften, Yulara und quälten uns beim Zeltbau mit der Hitze des australischen Outbacks.  

Der Inselberg in der Zentralaustralischen Wüste ist neben seiner spirituellen Relevanz für die Ureinwohner der Besuchermagnet schlechthin. Zum Uluru, der seinen indigenen Namen seit Dezember 1993 offiziell neben dem Ayers Rock führt, kamen bereits 1936 die ersten Touristen. Den Anangu, einem Stamm der Aborigines, die seit mehr als 10.000 Jahren in der Gegend leben, ist der Berg heilig. Zahlreiche Legenden, Entstehungsmythen und die Spiritualität der Traumzeiten ranken sich um den roten Felsen. Das die zahllosen Bücher, Filme und Geschichten ihren Teil beigetragen haben, den verwitterten Fels zum Wahrzeichen Australiens zu erheben, muss nicht weiter erwähnt werden.

Im Glauben der Ureinwohner verkörpern einige Plätze am Uluru Geschichten, die ausschließlich dort und nirgendwo sonst gesehen werden dürfen. Deshalb sind Foto- und Videoaufnahmen verboten beziehungsweise einige der heiligen Stätten für Touristen nicht zugänglich. Wir huldigten dem australischen Symbol, den Erzählungen um Hasenkänguru-, Teppich- und Giftschlangen-Menschen, kämpften selber gegen die schwarzen Wolken der tausend Mücken und reihten uns mit den anderen Touristen am Car-Sunset-Parkplatz zum Fotoshooting ein. Weniger bekannt sind die 40 Kilometer westlich gelegenen Kata Tjuta, die dem Uluru-Kata-Tjuta-Nationalpark auch zu seinem Namen verholfen haben. Die Felsformationen wurden von Ernest Giles am 1872 nach der Königin Olga von Württemberg benannt. 1993 wurde der Mount Olga offiziell geändert und nach den Aborigine-Namen Kata Tjuṯa benannt. Bevor wir uns wieder auf den Rückweg machten, gönnten wir uns hier gemeinsam mit den tausend Mücken einen kurzen Bushwalk.

Zurück auf dem Zeltplatz von Yulara kamen wir schnell ins Gespräch mit den anderen Backpackern aus Russland, Skandinavien, Polen, Deutschland. Im Outback von Australien kam die Welt zusammen. Auch wenn Philipp anfangs dem Zelten skeptisch gegenüberstand - Australien zählt zu dem Land mit den meisten giftigsten Tieren - ließ auch ihn die praktische und günstige Übernachtung nicht mehr los. Denn Hand aufs Herz! Was ist schöner als im gut angelegten Nirgendwo zu zelten?

Outback

Selten verlässt die Asphaltstraße ihren linienförmigen Verlauf und knickt hier und da nach rechts oder links ab um Hindernissen auszuweichen.

Telegraphenstation

Der Ursprung von Alice Springs, die alte Telegraphenstation von 1871, ist heute ein Museum außerhalb der Stadt.

Uluru / Ayers Rock

Der Inselberg ist der Besuchermagnet in Australien schlechthin.

Wandmalereien

"Im Glauben der Ureinwohner verkörpern einige Plätze am Uluru Geschichten, die ausschließlich dort und nirgendwo sonst gesehen werden dürfen."