SAALE-UNSTRUT
REBENLAND UND KULTURLANDSCHAFT IN DER MITTE DEUTSCHLANDS
Unstrut: Flutgraben bei Memleben

Lange Zeit war der Fluss der gefürchtetste und verheerendste aller Thüringer Gewässer. Nach Sommergewittern und starken Regengüssen, trat er über die Ufer, überschwemmte weite Strecken und verwandelte das Tal in eine einzige Wasserfläche. Der Boden war nicht mehr zu bestellen und in den versumpften Gegenden nur Schilfgewinnung und Fischfang möglich. Ursache der ständigen Überschwemmungen sind das geringe Gefälle und die vielen Krümmungen des Flusses. Immer wieder wurde versucht, dieser Not abzuhelfen. Doch eine planmäßige Regulierung gelang erst im 17.Jahrhundert mit der Initiative von Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen.

Spezialität an der Unstrut

Die Himmelsscheibe von Nebra riss im Jahr 2000 die verträumte Gegend an der Unstrut aus ihrem Dornröschenschlaf. Obwohl die Gegend bereits seit nachweislich mehreren tausend Jahren besiedelt wird, mussten seit dem archäologischen Krimi um den Fund auf dem Mittelberg (im Bild die Arche Nebra bei Wangen) die Geschichtsbücher neu geschireben werden. Selbst der National Geographic schrieb mehrmals über den Fund an der Unstrut.

PROLOG

Schmal und unscheinbar schiebt sich die Unstrut durch das Thüringer Becken. Im hügeligen Eichsfeld entsprungen, zwängt sie sich durch die Porta Thuringica auf die andere Seite des Höhenzuges und beschreibt einen weiten Bogen, um in südöstliche Richtung auszuweichen. Eng und verschlungen wird nun der weitere Weg. Gurgelnd drängt sich der Fluß durch Felsen hindurch, bildet Strudel und beendet seine Reise schließlich in der Saale bei Naumburg.

Die Unstrut besitzt sicher nicht die Breite des Mississippi oder die Länge des afrikanischen Kongo. Doch galt der Strom einstmals als der gefährlichste aller thüringischen Gewässer. Brachte immer wieder verheerende Überschwemmungen und Tod, ehe er gezähmt wurde.

Lang ist die Geschichte am Fluß. Breit gefächert die Fauna und Flora. Reizvoll die Landschaft, in die sich die Unstrut gebettet hat. Viele Kriege fanden hier statt. Erschlagene Leiber stauten in alten Zeiten das Wasser an. Mächtige Burgen erhoben sich einst am Fluß.
Schlösser mit herrlichen Parks und zahlreiche Klosteranlagen. Gekrönte Häupter gingen an seinen Ufern der Jagd nach. Prächtige Hirsche, Hasen und Rehe tummeln sich immer noch in den ausgedehnten Forsten beiderseits der unteren Unstrut. Seltene Orchideen wachsen an den Steilhängen, an denen sich der Fluß vorbei zwängt. Mild ist das Klima wie am Mittelmeer. Und doch befindet sich diese Perle im Herzen Deutschlands. Verborgen und schlummernd wie seine Geschichte. Abseits der breiten Touristenpfade im südlichsten Teil Sachsen-Anhalts.

Im Blütengrund bei Naumburg mündet die Unstrut in die Saale. Diese hat dort bereits Thüringen verlassen und strömt schnell und breit in weitem Bogen durchs Tal. Viel besungen, weit gerühmt wurde die Saale nicht nur zum mittelalterlichen Grenzfluss sondern auch oftmals zur verklärten Liebe.

Wem ist nicht das Heimlied von Franz Kugler "An der Saale hellem Strande" aus dem frühen 19.Jahrhundert bekannt. In den Saalfelder Feengrotten liegt die steinerne Chronik Thüringens, Rudolstadt und seine Heidecksburg begrüßen jährlich die Welt zum "Folkfestival" und von Dornburg beginnt flussab der schönste Abschnitt für eine Paddeltour. Was scheint spannender zu sein als eine Reise in der Heimat? Was ist so aufregend daran, eine Reportage über eine Landschaft in Mitteldeutschland zu machen, wenn fremde Länder auf ihre Entdeckung warten. Doch scheint es, dass inzwischen die eigene Heimat auf ihre Wiederentdeckung wartet. Die vorliegenden Seiten sollen keine Reportage über das Gebiet an Saale und Unstrut sein, sondern zu einer eigenen Reportage, einer eigenen Reise anregen.

Kapelle an der "porta Thuringia"

Zwische Hainleite und Schmücke, an der Fernverkehrsstraße Erfurt - Magdeburg, bricht sich die Unstrut Bahn durch die Sachsenburger Pforte. Wenige Meter neben den alten Ruinen der Sachsenburg bewacht heute eine kleine Kapelle den schmalen Durchbruch.

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HINTERGRUND

Die Saale entspringt am Waldstein im Fichtelgebirge bei Zell (728 m ü. NN) Oberfranken/Bayern.

Die Saale, mit 413km nach der Moldau der zweitlängste Nebenfluss der Elbe, durchquert Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt, bevor sie bei Barby in die Elbe (49,5 m ü. NN) mündet. Der mittlere Abfluss beträgt 115 m³/s. Wichtigste Nebenflüsse sind Weiße Elster, Unstrut, Ilm und Bode.

In den Jahren 1933 bis 1942 wurde die Gesamtlänge durch Begradigungen im Rahmen des Wasserstraßenausbaues Elbe/Saale von 427 km auf rund 413 km verkürzt. Der damals begonnene Bau des für die Fluss-Schifffahrt gedachten Elster-Saale-Kanals, der bis nach Leipzig führen sollte, wurde nie vollendet.

Der Oberlauf der Saale zwischen Zell und Hof ist noch ziemlich gemächlich. Dann verläuft der Fluss quer durch das Thüringer Schiefergebirge und berührt Saalfeld/Saale, Rudolstadt und Jena. An ihrem Mittellauf ist die Saale mehrfach angestaut, die größten Stauseen einer fünfstufigen Kaskade sind der Hohenwarte- und der Bleiloch-Stausee.

Der Unterlauf verläuft in einer flachen Landschaft durch die Städte Weißenfels, Bad Dürrenberg, Merseburg, Halle (Saale), (südlich von Halle liegen die ökologisch wertvollen Saaleauen, im halleschen Stadtgebiet mehrere Inseln und Felsen am Ufer - Klausberge, Kröllwitzer Felsen, u.a. der Giebichenstein mit der gleichnamigen Burgruine) unterhalb von Halle passiert die Saale die Steilufer der Brachwitzer Alpen, Wettin, die Rothenburger Porphyrfelsen und Bernburg.

Die Saale mündet bei Barby in die Elbe.

Besonders empfehlenswert ist das Saale-Unstrut Weinbaugebiet, der (vor allem im Ober- und Mittellauf radtouristisch anspruchsvolle) Saale-Radweg. Die Saale fließt an der Heidecksburg, den Dornburger Schlössern, der Burg Saaleck, der Rudelsburg und Bad Kösen mit seinem Gradierwerk vorbei.

Die Unstrut entspringt bei Kefferhausen im Thüringischen Eichsfeld (368 m ü. NN). Die Ergiebigkeit der Quelle liegt bei durchschnittlich 4,5l/sec. Im Blütengrund bei Naumburg mündet die Unstrut in die Saale (150 m ü. NN). Seit 1358 wurde auf dem Fluss Flößerei betrieben, ab 1778 setzte eine rege Binnenschifferei ein. Wichtige Zuflüsse der Unstrut sind die Gera, die Wipper, die Helbe und Helme.

Der Fluss, der im Laufe der Jahrhunderte immer wieder für schwere Überschwemmungen sorgte und dessen Sumpfniederungen gefürchtet waren, wurde mehrfach reguliert. Insgesamt liegen zwischen Bretleben und Freyburg 12 Schleusen zur Wasserregulierung und Katastrophenschutz. Entlang der Unstrut wurde Erdgas gewonnen (bei Mühlhausen), Kalisalz bei Wangen und Roßleben, Steinsalz bei Artern. In den Sandsteinbrüchen bei Nebra wurde unter anderem das Material für den Bau des alten Elbtunnels und das rote Rathaus in Berlin gebrochen.

Von besonderem Reiz und in dieser Dichte einmalig in Deutschland sind die zahlreichen Burgen und Schlösser am Flusslauf. Sachsenburg, die Wasserburg in Heldrungen, Vitzenburg, Burgscheidungen, die verblichene „Perle des Unstruttales“ und die Neuenburg bei Freyburg im Herzen des Weinanbaugebietes. Besonderes Augenmerk erlangte durch den Fund der „Himmelsscheibe“ die Gegend um Nebra und die bewaldeten Höhenzüge des Ziegelrodaer Forstes.

Das Weinbaugebiet Saale-Unstrut ist das 13.deutsche Weinanbaugebiet in Deutschlands mit Zentrum in Freyburg/Unstrut. Mit etwas über 600ha Rebfläche in Thüringen und Sachsen-Anhalt gehört das nördlichste Weinanbaugebiet Europas zu den kleineren Weinanbaugebieten. Es erstreckt sich an der Unstrut von Vitzenburg bis zur Mündung in die Saale bei Naumburg sowie an der Saale von Jena bis Naumburg mit nennenswerten Weinbergen in Schulpforta und Bad Kösen. Außerhalb der Flusshänge gibt es Weinberge unter anderen in Bad Sulza und am Süßen See, die ebenfalls zur Saale-Unstrut-Region gerechnet werden.

Karge Böden (Muschelkalk, Buntsandstein), unzuverlässige Niederschläge (Regenschatten der Mittelgebirge Harz und Thüringer Wald) und die nördliche Lage lassen vor allem frühreifende Sorten wie Müller-Thurgau, Weißburgunder und Silvaner gedeihen, die aber in guten Jahren zu preisgekrönten trockenen Weinen ausgebaut werden. Die Rotkäppchen-Sektkellerei in Freyburg gehört (wieder) zu den Traditionsunternehmen und ist Marktführer auf dem deutschen Sektmarkt.

Im Jahre 531 fand nach Gregor von Tours' Decem libri an der Unstrut die Entscheidungsschlacht zwischen Franken und Thüringern statt, die mit der Vernichtung und Einverleibung des frühmittelalterlichen Thüringischen Königreiches in das Frankenreich endete. Bei der Schlacht bei Riade an der Unstrut kämpften 933 ca. 4.000 Krieger unter Befehl König Heinrichs I. gegen etwa 3.000 Magyaren.

Die "Toskana des Nordens" ist ein Geheimtip, der sich seiner Reize selbst nicht ganz bewusst scheint. Der provenziale Charakter ist typisch für diese spröde, wie faszinierende Gegend im Grenzverlauf zwischen südlichen Sachsen-Anhalt und Nordthüringen. Entdecken, geniesen und erleben - im Herzen Deutschlands ist Natürlichkeit angesagt.

Wasserburg Heldrungen

Nach der Niederlage von Frankenhausen 1525 wurde der Prediger Thomas Müntzer dem Grafen Ernst von Mansfeld am 15.Mai ausgeliefert. Im alten Verlies der Festung Heldrungen wurde der radikale Reformator tagelang gefoltert. Am 27.Mai starb Müntzer durch das Schwert des Scharfrichters bei Mühlhausen.

Kanuten bei Freyburg

Nach der politischen Wende 1989 wurden die Wasserstraßen Unstrut und Saale mit Geduld und finanziellen Aufwendungen für den sanften Wassertourismus umgewandelt. Während es in den letzten Jahren der DDR ur unter Vorbehalt möglich war, in der Unstrut zu baden und zu fischen, förderten die stillgelegten Betriebe und deren Abwässer die Chance auf umweltgerechten Wassertourismus.

UNSTRUT

Quelle bei Kefferhausen im Eichsfeld (400m); Länge 192 km; Mündung Großjena bei Naumburg in die Saale 

Die Unstrut entspringt westlich von Kefferhausen bei Dingelstädt in Nordthüringen im südlichen Eichsfeld. In der Sachsenburger oder Thüringer Pforte durchbricht sie die Hainleite. In ihrem Unterlauf durchfließt sie in zahlreichen Schleifen den Burgenlandkreis im südlichem Sachsen-Anhalt, sie wird unterhalb von Memleben zunächst vom Ziegelrodaer Plateau, bei Laucha vom Dorndorfer Plateau, in der Nähe Freyburgs von den kalkreichen Schweigenbergen flankiert und mündet im Großjenaer Blütengrund bei Naumburg in die Saale.

SAALE

Quelle bei Zell im Fichtelgebirge (728m); Länge 413 km; Mündung Bei Barby in die Elbe

Die Saale entspringt im Fichtelgebirge in Oberfranken zwischen Zell und Weißenstadt. Der Oberlauf der Saale zwischen Zell und Hof ist ziemlich gemächlich. Dann verläuft der Fluss quer durch das Thüringer Schiefergebirge. Hier ist die Saale mehrfach angestaut. Der Bereich der mittleren Saale beginnt mit dem Austritt des Flusses aus dem Thüringer Schiefergebirge und dem Eintritt in das Triassische Platten- und Hügelland. Nach dem Austritt aus dem Naturpark Saale-Unstrut-Triasland nahe Naumburg beginnt der Unterlauf des Flusses. Dieser verläuft in einer flachen Landschaft bis zur Mündung in die Elbe bei Barby.

Hussitenfest Naumburg

Zwischen Saale und Unstrut siedelten Menschen bereits vor Jahrtausenden. Die Landschaft ist reich geprägt und voll Kultur.

Link: Saale - Unstrut

Rebenland und Kulturlandschaft: Eine Entdeckungsreise durch das nördlichste Weinbaugebiet Europas, in reichhaltiger und geschichtsträchtiger Kulturlandschaft.